250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Andreas Rehfus

Andreas Rehfuß Mitglied des Vorstands Deutsche Hypothekenbank

Welche Rolle spielt der Pfandbrief im Rahmen der Refinanzierungsstrategie Ihres Hauses?

Der Pfandbrief ist die Basis unseres Geschäftsmodells und stellt unsere wesentliche Refinanzierungsquelle dar. Von daher nimmt der Pfandbrief für die Deutsche Hypo eine äußerst bedeutende Rolle ein.

Der Pfandbrief scheint auch nach 250 Jahren nicht an Attraktivität eingebüßt zu haben. Was ist Ihrer Ansicht nach seine größte Tugend?

Seit jeher steht der Pfandbrief für Top-Qualität. Als Refinanzierungsquelle bietet er einen durchgängigen Marktzugang auch in Phasen hoher Risiken und Volatilität, wie wir sie im letzten Jahrzehnt bisweilen erlebt haben. Dank Pfandbriefgesetz, stabilen Regeln zur Liquidität im Deckungsstock sowie hohen Transparenzanforderungen genießt der Pfandbrief großes Vertrauen bei allen Investoren – von Institutionellen bis hin zu Privatanlegern. Damit untermauert der Pfandbrief eindrücklich seinen Status als Premiumprodukt unter den Covered Bonds.

Der Markt für „Grüne Pfandbriefe“ ist noch sehr jung, sodass das Produkt zum Teil unterschiedlich definiert wird. Würde mehr Standardisierung, ggf. auch durch gesetzliche Regelungen den Markt zum jetzigen Zeitpunkt eher fördern oder behindern?

Mit den Green Bond Principles ist bereits ein guter erster Aufsatzpunkt gemacht. Solche Mindestqualitätsstandards sind wichtig, um sich als Top-Produkt dauerhaft am Markt zu etablieren. Eine weitere Standardisierung ist sicherlich wünschenswert, wobei sie nicht durch gesetzliche Regelungen geschaffen werden muss. Vielmehr erwarte ich eine Weiterentwicklung des Produkts Grüner Pfandbrief durch die Emittenten und Investoren selbst. Idealerweise ergeben sich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage Best Practice-Beispiele, die das bisherige Rahmenwerk weiter konkretisieren und – beispielsweise durch eine Ratingagentur – qualitätsgesichert werden. Denn darauf wird es ankommen: Die Qualität des Produkts muss jederzeit sichergestellt sein. Genauso wie der Pfandbrief das Top-Produkt unter den Covered Bonds darstellt, muss sich der Grüne Hypothekenpfandbrief als Top-Produkt unter den grünen Wertpapieren etablieren. Dazu wird der vdp als neuer Markeninhaber des Grünen Pfandbriefs sicherlich beitragen.

Glauben Sie, dass sich eine Preisdifferenzierung zwischen grünen und nicht-grünen Anleihen durchsetzen kann?

Ja, mittel- bis langfristig erwarte ich schon einen gewissen Preisvorteil. Aktuell ist im Niedrigzinsumfeld und bei extrem geringen Spreads für Pfandbriefe jedoch so gut wie keine Differenzierung möglich. Der Grüne Pfandbrief bringt aber auch weitere Vorteile mit sich, die nicht zu unterschätzen sind, beispielsweise eine breitere Investorenbasis und damit verbesserte Absatzmöglichkeiten – zudem natürlich auch die Komplettierung der grünen Wertschöpfungskette in Banken. Und wer weiß: Vielleicht sind grüne Wertpapiere in gar nicht allzu weiter Ferne das neue „Normal“.