250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Lisa Paus

Lisa Paus Finanzpolitische Sprecherin, Bündnis 90/Die Grünen

Was ist das Geheimnis von 250 Jahren Pfandbriefgeschichte?

Das Schöne an einem Pfandbrief ist: Jeder weiß, was er daran hat. Das unterscheidet den Pfandbrief von anderen in der Finanzkrise im Feuer stehenden Verbriefungen wie ABS, MBS, usw. Zu verdanken ist das auch dem klaren und relativ einfachen gesetzlichen Rahmen. Darin ist klar geregelt, wie ein Pfandbrief zu gestalten ist, durch welche Vermögenswerte er besichert werden muss und wie die Vermögenswerte bewertet werden.

Das schafft Vertrauen in das Produkt Pfandbrief und sorgt für hohe Stabilität. Außerdem vermeidet die Gestaltung von Pfandbriefen wichtige Anreizprobleme bei der Kreditvergabe: Während bei herkömmlichen Verbriefungen das Ausfallrisiko weitergegeben wird, steht beim Pfandbrief die kreditgebende Bank selbst für Verluste gerade. Deswegen hat sie ein Interesse, Kredite nur nach einer seriösen Prüfung zu vergeben.

Damit bietet der Pfandbrief Investoren eine sichere Anlagemöglichkeit und Banken eine Möglichkeit sich langfristig zu refinanzieren.

Was ist wichtig, damit der Pfandbrief auch in der Zukunft ein Erfolgsprodukt bleibt?

Durch seine Struktur und seine lange erfolgreiche Historie genießt der Pfandbrief bei Investoren zu Recht ein hohes Vertrauen. In der Finanzkrise hätten einige Pfandbriefbanken dieses Vertrauen aber beinahe verspielt. Denn anders als der Pfandbrief selbst, waren nicht alle Pfandbriefbanken grundsolide. Einige Banken begegneten vor der Krise strukturellen Problemen mit riskanteren Anlagestrategien: Sie weiteten ihr Geschäft auf Grundlage sehr niedriger Eigenkapitalpuffer enorm aus. Eigenkapitalquoten von nur 2% waren bei einigen Banken nicht ungewöhnlich. Die Depfa Bank – eine Tochter der Hypo Real Estate - operierte sogar mit einem Hebel von 125 – einer Eigenkapitalquote von nur 0,8 %. Als es in der Krise dann zu Problemen kam, musste der Steuerzahler die Bank retten. So hätten einige Banken beinahe den guten Ruf des Pfandbriefs zerstört. Solche Eskapaden darf es in Zukunft nicht mehr geben. Deshalb brauchen wir für Pfandbrief- und alle anderen Banken das, was wir für den Pfandbrief schon haben: einfache, klare und harte Regeln statt hochkomplexer aber oftmals unwirksamer Regelwerke.

Welches Potenzial und welche potenziellen Nebenwirkungen sehen Sie beim Thema "Grüner Pfandbrief"?

Immer mehr Anlegern reicht es nicht mehr nur Rendite zu erzielen. Sie wollen wissen, was ihr Investment bewirkt und sichergehen, dass mit ihrem Geld unsere Umwelt nicht zerstört oder der soziale Zusammenhalt gefährdet wird. Entsprechend groß ist das Marktpotential für nachhaltige Produkte und insbesondere auch für den Pfandbrief.

Gerade im Immobilienbereich – immerhin 63% aller umlaufenden Pfandbriefe dienen der Immobilienfinanzierung – gibt es in Puncto Nachhaltigkeit noch viel zu tun: Nach Angaben der Europäischen  Kommission machen Gebäude 40 % des Energieverbrauchs und 36 % der CO2-Emissionen in der EU aus. Um eine Chance zu haben das 2 Grad Ziel zu erfüllen, muss der Immobilienbestand umfassend saniert werden. Außerdem ist in den Städten die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum enorm gestiegen. Hier gibt es viel Potenzial für sozial und ökologisch nachhaltige Pfandbriefe. Deshalb freut es mich, dass sich einige Pfandbriefbanken seit 2015 in diesem Segment platzieren und das Umlaufvolumen auf aktuell über 5 Mrd. Euro angestiegen ist. Mit knapp 1,5 % aller ausstehenden Pfandbriefe stellt es aber nur eine Nische dar. Dieser Anteil muss weiter gesteigert werden.