250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Dr. Jörg Kukies

Dr. Jörg Kukies Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen

Was ist das Erfolgsrezept hinter 250 Jahren Pfandbrief?

Der Deutsche Pfandbrief ist ein wichtiges Instrument der Banken zur Beschaffung langfristiger Mittel am Kapitalmarkt. Er bietet den Anlegern aufgrund der hohen gesetzlichen Anforderungen eine hervorragende Besicherung und hat sich auch in der Krise bewährt. Daher profitieren gedeckte Schuldverschreibungen, einschließlich Pfandbriefe, zu Recht von umfangreichen Vergünstigungen in der EU-Finanzmarktregulierung im Vergleich zu erstrangigen Anleihen ohne Sicherheit.

Was können Pfandbriefe zur Lösung der Wohnungs- bzw. Klimakrise beitragen?

Aufgrund der doppelten Absicherung gegenüber dem Ausfall des Emittenten sind Pfandbriefe eine sehr risikoarme Anlageklasse. Das spiegelt sich u.a. in geringen Spreads gegenüber Bundes-Anleihen wider. Dieses geringe Risiko sorgt für günstige Refinanzierungskosten auf Seiten der Banken, was zu niedrigeren Hypothekarzinsen für Kreditnehmer führt. Das bietet Anreize für mehr Investitionen in den Wohnungsbau und damit die Chance, der Wohnungsknappheit zu begegnen. Sicherlich können grüne oder nachhaltige Pfandbriefe auch einen Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit leisten. In Deutschland gibt es bereits zahlreiche erfolgreiche Emissionen. Es ist unser Ziel, die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Entscheidungen von Finanzmarktakteuren noch weiter zu verbessern. Das kann am besten durch ein gemeinsames Vorgehen auf europäischer Ebene erreicht werden. Daher unterstützen wir aktiv die Entwicklung eines EU Green Bond Standards.

Blick in die Zukunft: Was bringt die europäische Covered-Bond-Harmonisierung? Was ist von der Umsetzung in deutsches Recht zu erwarten, wann kommt sie?

Die Märkte für Covered Bonds sind innerhalb der EU unterschiedlich stark entwickelt. In einigen Mitgliedstaaten – wie z.B. Deutschland oder Dänemark – bestehen bereits sehr gut entwickelte Märkte, während es in anderen Mitgliedstaaten bislang keine Gesetzgebung zu Covered Bonds gibt. Mit einem EU-weiten Rechtsrahmen für Covered Bonds ist auch ein Anreiz geschaffen worden, die Vorzüge dieser Refinanzierungsquelle europaweit mehr zu nutzen. In diesem Sinne könnten Covered Bonds zukünftig – im Kontext der Kapitalmarktunion – auch einen stärkeren Beitrag zur Finanzierung der Realwirtschaft leisten. Als Mindestharmonisierung lässt sie gleichzeitig den bewährten deutschen Pfandbrief als etabliertes Produkt weitgehend unangetastet und orientiert sich u.a. an den Strukturen des Pfandbriefrechts. Zwischenzeitlich wurde die Covered Bond Richtlinie nach dem Ministerrat auch vom Europäischen Parlament angenommen. Sie wird voraussichtlich Ende des Jahres im EU-Amtsblatt veröffentlicht und sieht eine Umsetzungsfrist von 18 Monaten ab Inkrafttreten vor. Deutschland wird fristgerecht umsetzen.