250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Felix Hufeld

Felix Hufeld Präsident Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

Wann haben Sie erstmals mit dem Pfandbrief zutun gehabt?

Als Student im Rahmen meines Jurastudiums.

Aus der Perspektive der Aufsicht – was ist das Erfolgsrezept hinter 250 Jahren Pfandbrief?

Für die immerhin fast 120 Jahre seit Inkrafttreten des Hypothekenbankgesetzes, das 2005 vom Pfandbriefgesetz abgelöst wurde, kann man sagen: die strikten Regelungen zur Deckungsfähigkeit und die Regelungen zur vorsichtigen – heute würde man sagen: nachhaltigen – Beleihungswertermittlung. Hinzu kommt der Umstand, dass die Aufsicht Deckungsprüfungen auch selber durchführt. Zudem bemühen wir uns stets um umfassende Regelungen für den Fall der Fälle: die Insolvenz der Pfandbriefbank. Aber auch die Rolle von leistungsbereiten und –fähigen Einlagensicherungssystemen sollte man würdigen. Denn schon mehrfach mussten diese in der Vergangenheit Emittenten zur Seite springen, die aufgrund ihres Außerdeckungsgeschäfts in Bedrängnis geraten waren.

Welche Bedeutung hat der Pfandbrief für die Finanzstabilität?

Der Pfandbrief wird in seiner Außenwahrnehmung als sicherer Hafen und als echte Alternative zu Bundesschulden gesehen. Weil mit seiner Ausgabe langfristig Liquidität eingeworben werden kann, erleichtert der Pfandbrief, auch was die Konditionen betrifft, die Vergabe längerfristiger Kredite. Das hilft, die so finanzierte Realwirtschaft zu stabilisieren. In längeren Phasen überbordender Liquidität und niedriger Zinsen wird diese Wirkung des Pfandbriefs, die immunisierend gegen Liquiditätsabflüsse und Zinsschwankungen ist, vielleicht nicht so stark wahrgenommen. Käme es in der Kreditwirtschaft zu einer erneuten Vertrauenskrise, könnte aber gerade der Pfandbrief als Stabilitätsanker wirken. Geriete er aber in einer solchen Situation unter Druck, dann droht möglicherweise ein umfassender und dauerhafter Vertrauensverlust. Der Pfandbrief ist ein privatwirtschaftliches Finanzinstrument von erheblicher Relevanz. Und das nicht allein für die nationale Finanzstabilität. Damit er diese Rolle weiterhin ausfüllen kann, müssen sich Pfandbriefbanken, Regulierung und Aufsicht ihrer Verantwortung bewusst bleiben und diese auch konsequent wahrnehmen.

Wie kann der Pfandbrief seine Benchmark-Rolle am Covered-Bond-Markt behalten?

Notwendig sind für eine Benchmark-Rolle in technischer Hinsicht, das heißt für Emissionen von mindestens 500 Millionen Euro – große Emittenten und funktionierende Mechanismen, um das Deckungsmaterial für Benchmark-Emissionen zusammenzuführen. Beides ist für den Pfandbrief vorhanden. Konzeptionell darf das Regelungsinteresse nicht mit dem wirtschaftlichen  Ausscheiden eines Emittenten enden, sondern muss einen belastbaren Rahmen für die Abwicklung einer Pfandbriefdeckungsmasse anbieten. Das sollte in einer operationalisierbaren Form geschehen. Schließlich sollte auch im europäischen Kontext immer eine gesunde Balance zwischen den Unionszielen, wie zum Beispiel der Kapitalmarktunion, und den bestehenden nationalen Besonderheiten gewahrt bleiben.