250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Marc Heß

Marc Heß Mitglied des Vorstands Aareal Bank

Der Pfandbrief scheint nach 250 Jahren nicht an Attraktivität eingebüßt zu haben. Was ist Ihrer Ansicht nach seine größte Tugend?

Stabilität. In dieser langen Zeit von 250 Jahren wurden die gesetzlichen Regelungen für den Pfandbrief regelmäßig an das sich ändernde Umfeld angepasst und weiterentwickelt. Sehr häufig waren dies technische Änderungen, die die Sicherheit der Gläubiger weiter erhöht und den Pfandbrief als stabiles und sicheres Anlageinstrument nachhaltig gestärkt haben. Er ist damit für Banken ein sehr verlässliches Refinanzierungsinstrument. Das ist auch der Grund, warum der Pfandbrief seinem eigenen hohen Anspruch an Stabilität in den Krisen, die die Märkte in den letzten 250 Jahren durchlebt haben, immer wieder gerecht werden konnte.

Ihr Haus ist auf 3 Kontinenten in über 20 Ländern aktiv. Wie gut passt das mit der Refinanzierung über den Pfandbrief zusammen?

Die Aareal Bank ist mit ihrem Kreditportfolio geografisch breit diversifiziert. Dabei konzentrieren wir uns auf hochwertige Bestandsfinanzierungen; beste Voraussetzungen also für die Refinanzierung über den Pfandbrief. Der nachhaltige Immobilienwert wird mit einem Sicherheitsabschlag zur Pfandbriefrefinanzierung herangezogen. Wir haben Immobilienfinanzierungen aus 17 Ländern in unserer Deckungsmasse, die diese Anforderungen erfüllen. Damit haben Investoren nicht nur qualitativ hochwertige Immobilienkredite, sondern auch eine geografische Diversifizierung derselben als Sicherheiten hinterlegt.

Stichwort Harmonisierung: Künftig soll es zusätzlich zum Segment „European Covered Bonds (Premium)“ zu dem der Pfandbrief zählt, eine Art Standard Segment „European Covered Bonds“ geben. Diese erfüllen die Anforderungen der Richtlinie sind aber nicht privilegierungsfähig. Wie beurteilen Sie die geplante Erweiterung?

Die Einführung eines Labels für Covered Bonds begrüßen wir grundsätzlich, da sie zukünftig eine eindeutige Antwort auf die Frage liefert, was ein Covered Bond ist und was nicht. Durch die Einführung des Premium-Segments erhalten die Investoren zusätzliche Transparenz im Hinblick auf die CRR-Konformität einzelner Covered Bonds. Speziell durch die Transparenzanforderungen aus Artikel 26 der Richtline können sich Investoren zukünftig an den Veröffentlichungen der Aufsichtsbehörden orientieren anstatt die CRR-Konformität eigenständig prüfen zu müssen.
Parallel zu den zukünftigen Covered-Bond-Labels bleibt natürlich weiterhin der „Pfandbrief“ die Marke die für die höchste Qualität im Covered-Bond-Bereich steht. Hier gilt es auch zukünftig darauf zu achten, dass diese Marke nicht verwässert wird und weiterhin den höchsten Ansprüchen der Investoren an Stabilität gerecht wird.

Das Thema Nachhaltigkeit zieht große Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt auf sich. Könnten Sie sich vorstellen, im „grünen“ bzw. ESG-Anleihesegment aktiv zu werden?

Die Aareal Bank ist nachhaltig und erhält von vielen Nachhaltigkeitsratingagenturen gute, oftmals überdurchschnittliche Bewertungen. Die Begebung von Anleihen, die ESG-Kriterien einbeziehen, wird deshalb auch für uns in Zukunft relevant werden, sobald die Voraussetzungen insbesondere hinsichtlich einer einheitlichen Taxonomie erfüllt sind. Wir erwarten eine Standardisierung, zumal auch die Regulierungsbehörden sich intensiv mit der Kombination von ESG und Kapitalmarkt beschäftigen. Bis dahin werden wir die Entwicklung durch unser Nachhaltigkeitsteam eng verfolgen und die notwendigen Schritte vorbereiten. So arbeiten wir bereits heute an einer wesentlichen Voraussetzung, nämlich die Transparenz auf Portfolioebene in Bezug auf Nachhaltigkeit und ESG weiter zu erhöhen.

Regulierung, Konjunktur oder Innovationsdruck? Welche Themen beschäftigen Sie geschäftspolitisch 2019 am meisten?

Der Finanzsektor steht zurzeit vor enormen Herausforderungen. Wir sehen einen Mix aus strengerer Regulierung, hartem Wettbewerb, ökonomischen Herausforderungen einhergehend mit politisch zunehmend schwerer einschätzbaren Verhältnissen und einem, zumindest in Europa, langanhaltenden Niedrigzinsumfeld. Hinzu kommt noch die Digitalisierung – zugleich Chance aber auch Herausforderung. Die Aareal Bank hat schon 2016 mit ihrem Zukunftsprogramm „Aareal 2020“ die Weichen für einen nachhaltigen Erfolg gestellt. Unsere Strategie ist gleichermaßen auf die Wahrung unserer traditionellen Stärken wie auf die Erschließung neuer Wachstumspotenziale ausgerichtet, so zum Beispiel über den Ausbau des digitalen Geschäfts unserer IT-Tochtergesellschaft Aareon. Doch trotz aller notwendiger Programmatik: Dauerhaft erfolgreich können Unternehmen nur sein, wenn sie sich selbst permanent hinterfragen, wenn sie sich in einem dynamischen Umfeld flexibel an veränderte Rahmenbedingungen anpassen – und nicht zuletzt, wenn sie es schaffen, immer wieder einen messbaren Mehrwert für ihre Kunden zu schaffen.