250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Dr. Louis Hagen

Dr. Louis Hagen Präsident Verband deutscher Pfandbriefbanken und Vorsitzender des Vorstands Münchener Hypothekenbank

250 Jahre Pfandbrief, was ist das Erfolgsrezept dahinter?

Die besondere Bedeutung und Wertschätzung für den Pfandbrief basiert auf Generationen kluger und konservativer Regulierung – bei gleichzeitiger Offenheit für die Weiterentwicklung des Produkts. Der Erfolg des Pfandbriefs gründet dabei auch auf der Pflege durch die Emittenten und deren Einigkeit mit Blick auf die von diesem Verband stets postulierten Qualitätsstandards und die behutsame Anpassung des Produkts an sich weiterentwickelnde Investorenbedürfnisse. Der konservative „Markenkern“ aber bleibt unangetastet, beispielsweise der strenge Gläubigerschutz. Der Pfandbrief vereint so Tradition mit Innovation und ist zur Basis der deutschen Langfristkultur geworden. Diese findet ihren Ausdruck beispielsweise in der Wohnungsfinanzierung mit festverzinslichen 10-, 15- oder sogar 20-jährigen Zinsbindungsfristen und am Rentenmarkt in mittleren bis langen Laufzeiten der Pfandbriefe.

Alte Gesetze sind gute Gesetze, heißt es. Ist das Pfandbriefgesetz in diesem Sinne mit 14 Jahren ein altes Gesetz?

Das Pfandbriefgesetz ist der unmittelbare Nachfolger des Hypothekenbankgesetzes von 1900 und baut in weiten Teilen darauf auf. Insofern ist das Pfandbriefgesetz auch ein altes Gesetz. Es ist allein schon deshalb eine Erfolgsgeschichte, weil sich die Zahl der Emittenten seit seinem Inkrafttreten 2005 nahezu verdoppelt und der Pfandbrief auf dieser gesetzlichen Basis die Finanzkrise nicht nur unbeschadet überstanden hat, sondern gestärkt daraus hervorgegangen ist. Die anerkannt hohen Qualitätsstandards des Gesetzes standen auch Pate bei den Arbeiten der Europäischen Kommission an der Harmonisierung gedeckter Schuldverschreibungen in Europa und tragen den Emittenten durchweg hohe Noten bei den Pfandbrief-Ratings ein. Ein Garant dafür, dass das Pfandbriefgesetz und der darin verbriefte Qualitätsanspruch ein „altes“ Gesetz bleibt ist nicht zuletzt die säulenübergreifende Interessenvertretung, wie sie erst das Pfandbriefgesetz ermöglicht hat.

Was haben sich die Pfandbriefbanken zum Vierteljahrtausend vorgenommen?

Wir haben einiges vor. Wir möchten die Produktgeschichte und heutige Bedeutung des Pfandbriefs einem größeren Publikum bekannt machen. Die Festschrift, die die Pfandbriefbanken als Herausgeber unterstützt haben, wird zweifelsohne dazu beitragen. Das Werk bildet eine Klammer um 250 Jahre National- und Finanzgeschichte. Die Festschrift macht meiner Ansicht nach deutlich, dass der Pfandbrief am Vorabend der Harmonisierung gedeckter Schuldverschreibungen noch genauso zeitgemäß und relevant ist wie an seinem ersten Tag.

Was wünschen Sie dem Pfandbrief zu seinem Geburtstag?

Ich wünsche dem Pfandbrief auch in Zukunft eine große Unterstützung seitens der Politik, eine starke und moderne nationale Aufsicht im Dialog mit den Emittenten und vor allem eine weiterhin vielfältige Emittenten-Landschaft, die den Markt belebt. Dazu gehören große, mittlere und kleine Banken mit unterschiedlichen Eigentümerstrukturen, die sowohl breit aufgestellt als auch spezialisiert sein können. So ist der Pfandbrief bestens vorbereitet, um seine Erfolgsgeschichte auch in Zukunft fortzuschreiben.