250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Stephan Engels

Stephan Engels, Finanzvorstand, Commerzbank AG

Welche Rolle spielt der Pfandbrief im Rahmen der Refinanzierungsstrategie Ihres Hauses? 

Der Pfandbrief ist ein wichtiger Bestandteil des Refinanzierungsmix der Commerzbank, denn wir können so langfristige Refinanzierungsmittel zu attraktiven Konditionen aufnehmen. Wir sind regelmäßig mit Pfandbriefemissionen am Kapitalmarkt vertreten. Die rege Nachfrage zeigt, dass der Pfandbrief für in- und ausländische Investoren ein attraktives Anlageprodukt ist. Bei der Commerzbank decken Pfandbriefe beziehungsweise Covered Bonds rund 50 Prozent der Refinanzierungsmittel ab. Damit unterstützen wir vor allem unser Kerngeschäft Baufinanzierung.

Auch nach 250 Jahren scheint der Pfandbrief nicht an Attraktivität eingebüßt zu haben. Was ist Ihrer Ansicht nach seine größte Tugend? 

Die Sicherheit! Die ergibt sich ja aus den hohen Anforderungen des Pfandbriefgesetzes. Und die Praxiserfahrungen belegen das: Der Pfandbrief ist krisenerprobt und noch nie ausgefallen. Deshalb wird er auch von sicherheitsorientierten Anlegern so stark nachgefragt. Und der Pfandbriefmarkt wächst: Mittlerweile nutzen die meisten Geschäftsbanken weltweit gedeckte Schuldverschreibungen für ihre Refinanzierung. 

Stichwort Harmonisierung: Künftig soll es zusätzlich zum Segment „European Covered Bonds (Premium)“, zu dem der Pfandbrief zählt, eine Art Standard Segment „European Covered Bonds“ geben. Diese erfüllen die Anforderungen der Richtlinie, sind aber nicht privilegierungsfähig. Wie beurteilen Sie die geplante Erweiterung? Erschwert oder bereichert es Ihr Geschäft?

Grundsätzlich begrüßen wir es, wenn uns als Bank verschiedene Refinanzierungsinstrumente zur Verfügung stehen. Diese Möglichkeiten nutzen wir. Die Commerzbank hat bereits 2013 einen Covered Bond strukturiert, der auf einem Portfolio von Mittelstandskrediten basiert. Die hohe Investorennachfrage hat uns gezeigt, dass es gut ist, auch solche Standard-Produkte anzubieten. Voraussetzung für den Platzierungserfolg ist aber, dass man die Struktur und die unterlegten Assets transparent macht.

Das Thema Nachhaltigkeit zieht große Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt auf sich. Könnten Sie sich vorstellen im „grünen“ bzw. ESG-Anleihesegment aktiv zu werden?

Unternehmerische Verantwortung ist ein Leitgedanke der Commerzbank: Ökologische, soziale und ethische Kriterien spielen für uns in der Unternehmensführung eine zentrale Rolle. Auch der Markt für grüne Anlagen ist in den vergangenen Jahren dynamisch gewachsen. Investoren fragen zunehmend nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten mit transparenten Kriterien.

Einen grünen Pfandbrief haben wir zwar noch nicht emittiert. Aber wir haben im vergangenen Jahr unseren ersten eigenen Green Bond in Form eines Non-Preferred Senior Bonds erfolgreich an den Markt gebracht. Dem Bond mit einem Volumen von 500 Millionen Euro sind Kredite für Onshore- und Offshore-Windprojekte und Solarprojekte in Deutschland, weiteren europäischen Ländern sowie Nord- und Südamerika zugeordnet. Mit der Emission haben wir nicht nur unsere Investorenbasis vergrößert, sondern auch unsere Nachhaltigkeitsstrategie untermauert.

Hinzu kommt: Wir unterstützen unsere Firmenkunden schon seit Jahren bei der Vorbereitung von nachhaltigen Anleihen sowie ihrer Platzierung im internationalen Kapitalmarkt. Allein 2018 haben wir solche Transaktionen in einem Volumen von mehr als 10 Milliarden Euro begleitet.