250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Christian Bonnen

Christian Bonnen Mitglied des Vorstands Kreissparkasse Köln

Welche Rolle spielt der Pfandbrief im Rahmen der Refinanzierungsstrategie Ihres Hauses?

Die Kreissparkasse Köln setzt bereits seit 2003 auf den Pfandbrief als Refinanzierungsinstrument. Als „klassisches“ Kreditinstitut mit einem hohen Anteil an Realkrediten war es nur konsequent, den Pfandbrief in unserem Refinanzierungsmix zu etablieren. Ziel hierbei war und ist es, eine von Marktentwicklungen möglichst unabhängige Refinanzierungsbasis sicherzustellen. Neben den Kundeneinlagen stellt der Pfandbrief somit unsere wichtigste Refinanzierungsquelle dar. Den Stellenwert, den der Pfandbrief bei der Kreissparkasse Köln einnimmt, belegt auch unsere Mitgliedschaft im vdp.

Der Pfandbrief scheint nach 250 Jahren nicht an Attraktivität eingebüßt zu haben. Was ist Ihrer Ansicht nach seine größte Tugend?

Der Pfandbrief zeichnet sich in meinen Augen vor allem durch seine Verlässlichkeit aus: Für den Emittenten stellt er eine verlässliche Refinanzierungsquelle dar und für den Anleger ein verlässliches Investment – gestützt durch ein gesetzliches Rahmenwerk, stetige Qualitätskontrollen durch den Treuhänder und eine Überwachung durch die deutsche Aufsicht. So ist es in der Geschichte des deutschen Pfandbriefs noch nie zu einem Ausfall gekommen. Das wird auch in der europäischen Gesetzgebung honoriert, die in der Kapitaladäquanzverordnung (CRR) für den Pfandbrief eine privilegierte Unterlegung mit Eigenkapital vorsieht.

Sehen Sie die Benchmark-Position des Pfandbriefs durch die Harmonisierung der Covered Bonds in Europa gefährdet?

Es ist prinzipiell von Vorteil, dass durch ein europäisches Rahmenwerk Mindeststandards für die Qualität europäischer Covered Bonds gesetzt werden. Gleichzeitig war es gut und richtig, anstelle einer vollständigen Harmonisierung zu einer prinzipienbasierten Lösung zu finden. So bleiben bestimmte nationale Qualitätskriterien unberührt und setzen auch weiterhin Impulse im Sinne einer Vorbildfunktion. Dazu trägt auch bei, dass die Überprüfung zur Einhaltung der Rechtsrahmen weiterhin bei den nationalen Aufsichtsbehörden liegt, die mit den Besonderheiten der nationalen Märkte vertraut sind.

Die expansive Geldpolitik hat den Pfandbriefmarkt in den vergangen 10 Jahren stark beeinflusst, mit positiven wie negativen Effekten. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?


Die Geldpolitik hat sicherlich zu Verzerrungen bei der Preisfindung auf dem Pfandbriefmarkt geführt und zeitweise auch einen Teil der traditionellen Investoren verdrängt – viele sind jedoch inzwischen wieder an die Märkte zurückgekehrt. Der Pfandbrief stößt also selbst in dieser Gemengelage auf genügend Investoreninteresse, wie auch die starken Absatzzahlen 2019 belegen. Bis zu einer endgültigen „Normalisierung“ dürfte es jedoch noch eine Weile dauern. Denn auch wenn die EZB ihr Ankaufprogramm sukzessive zurückführt, hält sie über die Reinvestition von Fälligkeiten weiterhin ein beträchtliches Volumen, das einen großen Anteil am Pfandbriefmarkt ausmacht.