250 Jahre Pfandbrief: Lothar Binding zum Thema Sustainable Finance

Lothar Binding finanzpolitischer Sprecher SPD-Bundestagsfraktion

Der Begriff Nachhaltigkeit begegnet uns derzeit in ganz unterschiedlichen Kontexten. Das ist eine gute Entwicklung und gleichzeitig eine Reaktion auf schlechte Entwicklungen, die in der ganzen Welt und auch längst hier in Deutschland sichtbar werden. Die Folgen des Klimawandels sind nicht länger abstrakt, sondern treten unmittelbar auf. Die große Ungleichheit bei Vermögen und Einkommen sorgt für Chancenungerechtigkeit. Armut bedroht den sozialen Frieden und die Gesundheit vieler Menschen. Rüstung und Rüstungsexporte gefährden den Frieden.

Nachhaltiges Handeln ist vorausschauendes Handeln. Durch heute durchgeführte Maßnahmen wird gewährleistet, dass ein System auch morgen noch funktioniert. Das bezieht sich genauso auf das Klima, die Umwelt, die Natur, wie auf soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Gefüge. Das Finanzsystem ist in zweifacher Hinsicht betroffen: Die Folgen des Klimawandels sorgen für wirtschaftliche Verluste und bedrohen die Finanzstabilität. Darüber hinaus entscheiden die Kapitalanleger, wem sie ihr Kapital zur Verfügung stellen, z.B. Unternehmen mit ressourcenschonender oder gegenteiliger Produktion.

Auf politischer Ebene müssen die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung des Finanzsystems geschaffen werden. Die europäische Kommission hat im letzten Jahr einen entsprechenden Aktionsplan erarbeitet. Er soll dabei helfen nachhaltige Investitionen zu stärken und auf diese Weise für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu sorgen. Zu dem Aktionsplan gehören u.a. eine EU-Kennzeichnung für „grüne Finanzprodukte“ oder die Einarbeitung von Nachhaltigkeit in die Vorschriften der Banken-, Kapitalmarkt- und Versicherungsaufsicht.

Auch die Bundesregierung arbeitet daran die Nachhaltigkeit im Finanzsystem zu erhöhen. Der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung hat mit seinem Beschluss vom 25. Februar 2019 festgestellt, dass nachhaltige Finanzen die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung z.B. in Bezug auf Klima, Energie, Entwicklung oder Finanzmarktstabilität explizit unterstützen können. In diesem Zusammenhang halte ich es für wichtig, dass auch die Sondervermögen des Bundes im Sinne der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie auf dem Kapitalmarkt angelegt werden. Davon geht ein klares Signal an die anderen Marktteilnehmer aus.

Ein zentraler Baustein von nachhaltigen Finanzen sind entsprechende Finanzprodukte. Daher ist auch der Pfandbriefmarkt von Bedeutung. Der Pfandbrief feiert am 29. August dieses Jahres seinen 250. Geburtstag. In dieser Zeit hat er sich für seine Anleger als verlässliche Möglichkeit der Refinanzierung gezeigt. Dieser auf die lange Frist ausgerichtete Zeitbezug zeigt bereits einen Nachhaltigkeitsaspekt, dies alleine reicht aber noch nicht aus. Pfandbriefe können aber so ausgestaltet sein, dass sie einzig zur Finanzierung nachhaltiger Projekte beitragen. Entsprechende Anlageprodukte sind bereits auf dem Markt zu finden und es wäre zu begrüßen, wenn das Angebot von nachhaltigen Pfandbriefen steigt, so dass mehr Anleger mit unterschiedlichen Präferenzen angesprochen werden können. Die Entwicklung in diesem Bereich stimmt mich jedenfalls positiv, dass stetig weitere „grüne“ und „soziale“ Pfandbriefe auf den Markt kommen und ihren Anteil der Wegstrecke, hin zu einem nachhaltigen Finanzmarkt beitragen.