250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Dr. Edgar Zoller

Dr. Edgar Zoller, Stv. Vorsitzender des Vorstandes, Bayerische Landesbank, München

Welche Rolle spielt der Pfandbrief im Rahmen der Refinanzierungsstrategie Ihres Hauses?

Die Immobiliensparte bildet eine wesentliche Komponente der Geschäftsaktivitäten der BayernLB, insofern resultiert die Nähe zum Pfandbrief schon aus dem Geschäftsmodell der BayernLB. Die BayernLB blickt auf eine lange Historie von Pfandbrief-Emissionen und ist kontinuierlich im Jumbolino-Segment mit Benchmark-Anleihen präsent. Die Benchmark Pfandbrief-Transaktionen der BayernLB zeichneten sich stets durch eine gute Performance im Sekundärmarkt aus und festigten damit den Ruf der Bank als professioneller und fairer Emittent.

Auch nach 250 Jahren scheint der Pfandbrief nicht an Attraktivität eingebüßt zu haben. Was ist Ihrer Ansicht nach seine größte Tugend?

Der Deutsche Pfandbrief genießt einen exzellenten Ruf im Markt als sicheres Anlageinstrument, dessen Rahmenbedingungen den Investoren ein Höchstmaß an Transparenz und Verlässlichkeit vermittelt. Kein anderes Finanzprodukt kann auf ein „Branding“ mit derart positiver Konnotation verweisen. Auch in schwierigen Zeiten hat sich der Pfandbrief als Refinanzierungsinstrument bewährt.

Stichwort Harmonisierung: Künftig soll es zusätzlich zum Segment „European Covered Bonds (Premium)“, zu dem der Pfandbrief zählt, eine Art Standard Segment „European Covered Bonds“ geben. Diese erfüllen die Anforderungen der Richtlinie, sind aber nicht privilegierungsfähig. Wie beurteilen Sie die geplante Erweiterung? Erschwert oder bereichert es Ihr Geschäft?

Grundsätzlich ist jede Erweiterung des Emissionsspektrums interessant und wird von der BayernLB geprüft. Allerdings ist noch nicht klar, ob dieses neue Segment vom Markt positiv aufgenommen wird und wie es sich preislich gestaltet. Es ist deshalb derzeit noch zu früh für eine Beurteilung, ob dieses Segment, speziell für bisherige Pfandbriefemittenten, eine Bereicherung darstellt.

Mit Senior-Preferred Anleihen steht seit August 2018 ein neues Refinanzierungsinstrument zur Verfügung. Wirkt sich das auf Ihre Refinanzierungsstrategien aus und wenn ja, wie? 

Die Segmentierung des Senior Unsecured Marktes in Preferred und Non-Preferred Papiere hat die Funding-Mix Opportunitäten der BayernLB weiter bereichert und erlaubt eine noch differenziertere Abstimmung des Funding-Portfolios. Die unterschiedlichen Ratings beider Asset-Kategorien ermöglichen es noch individueller auf die Bedürfnisse der Investoren einzugehen und sehr bedarfsspezifisch zu agieren.

Das Thema Nachhaltigkeit zieht am Kapitalmarkt große Aufmerksamkeit auf sich. Könnten Sie sich vorstellen im „grünen“ bzw. ESG Anleihesegment aktiv zu werden?

Die BayernLB unterstützt die ethische Grundeinstellung eines nachhaltigen und sozial verantwortungsbewussten Geschäftsmodells nach Kräften und ist im Konzern über ihre Töchter DKB und BayernLabo mit „Green“ sowie „Social Bonds“ bereits sehr aktiv geworden und wird diese Aktivitäten auch weiter aufbauen.