250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Dr. Georg Reutter

Dr. Georg Reutter, Vorsitzender des Vorstands der DZ HYP

Welche Rolle spielt der Pfandbrief für Sie als Refinanzierungsinstrument?

Die DZ HYP ist eine klassische Pfandbriefbank, in deren Refinanzierungsmix der Pfandbrief eine elementare Rolle spielt. Durch die Emission von Pfandbriefen können wir die gedeckten Anteile unseres Immobilienkreditgeschäfts sowie das Geschäft mit Öffentlichen Kunden zu attraktiven Konditionen in der benötigten Fristigkeit am Kapitalmarkt refinanzieren. Überdies steht uns mit dem Pfandbrief ein Refinanzierungsinstrument zur Verfügung, das seine Stärke und Zuverlässigkeit bereits in Krisensituationen unter Beweis gestellt hat. Das gibt uns als Emittent die nötige Zuversicht, mit dem Produkt gut aufgestellt zu sein.
    

Auch nach 250 Jahren scheint der Pfandbrief nicht an Attraktivität eingebüßt zu haben. Was ist Ihrer Ansicht nach seine größte Tugend?

Die strengen Regelungen des deutschen Pfandbriefgesetzes bieten Investoren mit dem Produkt ein hohes Maß an Sicherheit. Das liegt insbesondere an der konsequenten Aufsicht, den hohen Transparenzanforderungen und der besonders konservativen Wertermittlung bei den in Deckung genommenen Darlehen. Gerade in schwierigen Phasen wie der Finanzmarktkrise hat sich das Produkt bewährt und ist daraus sogar gestärkt hervorgegangen. Dies war auch die Folge einer stetigen Anpassung des Pfandbriefgesetzes. Damit hat der Pfandbrief seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt, ohne die Qualitätsstandards zu verwässern. Neben dem gesetzlichen wird auch das regulatorische Rahmenwerk stetig weiterentwickelt. Dies ist eine gute Kombination, die den Erfolg des Pfandbriefs auch für die Zukunft garantiert. 

Stichwort Harmonisierung: Künftig soll es zusätzlich zum Segment „European Covered Bonds (Premium)“, zu dem der Pfandbrief zählt, eine Art Standard Segment „European Covered Bonds“ geben. Diese erfüllen die Anforderungen der Richtlinie, sind aber nicht privilegierungsfähig. Wie beurteilen Sie die geplante Erweiterung?

Wichtig ist für uns zunächst einmal, dass der deutsche Pfandbrief in die Kategorie „European Covered Bonds (Premium)“ fällt und sich damit keine Änderungen an der regulatorischen Behandlung ergeben. Die Qualitätsstandards bleiben erhalten und die Attraktivität des Pfandbriefs dürfte gesichert sein. Interessant bleiben aber die noch offenen Fragestellungen hinsichtlich der Ausgestaltung der „European Covered Bonds“. Dazu gehören die möglichen Assetklassen oder die Abgrenzung und Preisgestaltung gegenüber anderen Produkten. Diese Themen zu erörtern und zu klären, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. 

Das Thema Nachhaltigkeit zieht am Kapitalmarkt große Aufmerksamkeit auf sich. Könnten Sie sich vorstellen im „grünen“ bzw. ESG Anleihesegment aktiv zu werden?

Für die DZ HYP ist das Thema Nachhaltigkeit nicht nur seit vielen Jahren präsent, wir leben als Pfandbriefbank der DZ BANK Gruppe die genossenschaftliche Idee und fühlen uns eng mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit verbunden. Die sich mit diesem Thema ergebenden Veränderungen und Marktentwicklungen begrüßen wir. Unser Nachhaltigkeitsmanagement steht schon heute auf einer guten Grundlage von Daten und Erfahrungen. Sämtliche Aktivitäten in dem Bereich dokumentieren wir seit mehreren Jahren in Berichten. Weitere Maßnahmen stehen auf dem Plan. Dazu gehört perspektivisch auch, unser „nachhaltiges“ Kreditgeschäft durch die Emission von Anleihen im „ESG“ Segment zu refinanzieren. 

Welcher Trend übt Ihrer Ansicht nach am Kapitalmarkt aktuell den größeren Innovationsdruck aus, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung?

Beide Themen sind hochaktuell. In vielen Bereichen des Bankgeschäfts hängen sie sogar eng miteinander zusammen. Wo Digitalisierung unser Geschäft effizienter, schneller oder sicherer macht, trägt dies zur Nachhaltigkeit unseres Geschäftsmodells bei. Damit die gesamte Finanzbranche ihren Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit leistet, wird bereits seit einiger Zeit auf EU-Ebene über Initiativen und regulatorische Maßnahmen nachgedacht, die Anreize für die Marktteilnehmer hin zu mehr Nachhaltigkeit setzen. Unterstützt werden diese Bemühungen auch durch Nachhaltigkeits-Ratingagenturen, die ihre Anforderungen stetig fortentwickeln. Auf den Kapitalmärkten spiegeln sich diese Entwicklungen bereits in verschiedenen „nachhaltigen“ Emissionsformaten wider und erfreuen sich bei Investoren großer Nachfrage. 
Gleichzeitig bleibt die Herausforderung des digitalen Wandels in unserer Branche. Speziell Pfandbriefbanken, die traditionell als eher konservativ gelten, müssen die digitale Transformation angehen, um die nötige Flexibilität für schneller werdende Veränderungsprozesse zu erhalten, ohne unser wichtigstes Asset „Sicherheit“ zu gefährden. Der Kapitalmarkt hat dazu schon erste „Gehversuche“ unternommen. Wichtig ist es für uns, weiter mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Darum werden wir uns dem Thema weiter intensiv widmen, unsere Maßnahmen gut abwägen und genau hinsehen, wo unser Geschäftsmodell – auch in Bezug auf den Kapitalmarkt – von neuen Technologien tatsächlich profitiert.