250 Jahre Pfandbrief: Im Gespräch mit Dr. Günther Bräunig

Dr. Günther Bräunig Vorsitzender des Vorstands, KfW

Die KfW hat das Thema Sustainable Finance zum unverzichtbaren Bestand ihrer Förderpolitik erklärt. Welchen Beitrag können Ihrer Ansicht nach Green Bonds und Green Covered Bonds für ein klimagerechtes und nachhaltiges Wirtschaften leisten?

Durch eine transparente Zweckbindung der Mittelverwendung haben Green Bonds und Green Covered Bonds das Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz bei einer breiten Masse von Kapitalmarktteilnehmern geschärft und für ein neues Verantwortungsgefühl von Finanzintermediären gesorgt. Unter anderem durch die Green Bond Principles werden Maßstäbe für Transparenz gesetzt. Das genaue Wissen von Investoren in welche Mittel sie investieren, die lückenlose Ex-Post-Bereitstellung von Berichten über das Erreichte sowie die Validierung durch unabhängige Dritte stellen neue Standards für Finanzprodukte dar. So dienen Green Bonds als „Nachhaltigkeits-Blaupause“ für Social und Sustainability Bonds, aber auch für Green Loans. Zudem rücken grüne Unternehmensaktivitäten dadurch bei den Unternehmensführungen stärker in den Vordergrund.

Die Wichtigkeit von Green (Covered) Bonds für den Gesamtmarkt spiegelt sich auch darin wieder, dass die EU neben Taxonomie und Klimabenchmarks einen EU Green Bond Standard entwickelt, der sich stark an den Green Bond Principles orientiert und gleichzeitig einen Rahmen für den Kapitalmarkt schafft. Die Taxonomie legt in einem ersten Schritt fest, was in der EU nachhaltig unter Umweltgesichtspunkten qualifiziert. Die enge Verknüpfung des EU Green Bond Standards mit der Taxonomie hilft die Kapitalströme in relevante Aktivitäten zu lenken, es reduziert gleichzeitig potentielle Reputationsrisiken für Emittenten und Investoren. Die enge Anlehnung eines Minimumstandards für Grüne Pfandbriefe an den vorgeschlagenen EU Green Bond Standard unterstützt die KfW ausdrücklich. Dies ist ein wichtiger Schritt um die in den kommenden Jahren anstehenden Investitionen sowohl in Neubauten als auch in Bestandsimmobilien zu finanzieren. 

Green (Covered) Bonds können aber nur eine Komponente sein, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit im Kapitalmarkt zu verankern und den Finanzmarkt auf die Zielerreichung einer CO2-neutralen Wirtschaft in 2050 auszurichten. Wir brauchen „Sustainable Leadership“, die die klassische Ausrichtung auf immer mehr Wachstum hinterfragt und ein neues Wachstumskonzept definiert und neue Technologien voranbringt. Die Integration von Nachhaltigkeit und das ganzheitliche und aktive Hinterfragen von aktuellen Unternehmensstrategien und Geschäftsmodellen im Hinblick auf die Transition zu einer kohlenstoffneutralen Wirtschaft sind für Banken und Unternehmen unvermeidlich.

Welche Initiativen oder Vorgaben betreffend der Sustainability in der (Finanz-) Wirtschaft wünschen Sie sich auf nationaler und internationaler Ebene von der Politik?

Ihre Frage nach „Initiativen oder Vorgaben“ nimmt eine elementare Unterscheidung vor: Sicherlich ist die EU mit den Vorgaben, die sie im Zuge der Umsetzung ihres Aktionsplan „Financing Sustainable Growth“ bereits vorgelegt hat oder aktuell entwickelt, in einem zu begrüßenden Maße aktiv. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch freiwillige Initiativen aus dem Sektor heraus eine hohe Wirkkraft zeigen: Zu nennen sind hier beispielsweise die „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ (TCFD), das internationale „Network for Greening the Financial System“ (NGFS) und der „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ (GSFCG). Freiwillige und gesetzgeberische Initiativen sollten Hand in Hand gehen und sich sinnvoll ergänzen.

Von der neuen EU-Kommission wünsche ich mir, dass sie ihren spürbaren Elan für mehr Umwelt- und Klimaschutz beibehält. Europa kann auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Wirtschafts- und Finanzsystem weltweit die Vorreiterrolle übernehmen und die damit verbundenen Chancen gezielt nutzen. Dazu müssen die EU-Mitgliedsstaaten gemeinsam mit EU-Kommission und -Parlament an einem Strang ziehen. Darüber hinaus wird es entscheidend darauf ankommen, auch die breite Bevölkerung für den angekündigten „Green Deal“ zu gewinnen.

In Deutschland hat das „Klimakabinett“ der Bundesregierung jüngst wichtige Weichenstellungen vorgenommen. Über das umfangreiche Maßnahmenpaket hinaus wurde dabei auch die Weiterentwicklung der KfW als transformative Förderbank beschlossen. Wir sehen darin den klaren Auftrag an die KfW, für die klimafreundliche Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft künftig noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich wünsche mir in diesem Zusammenhang ein effizientes Zusammenspiel von Ordnungsrecht, Preisanreizen und Förderung, damit das deutsche Klima-Engagement seine volle Wirkung entfaltet und dabei den ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen gleichermaßen gerecht wird.

Als größte deutsche Förderbank hat die KfW verschiedene Tochtergesellschaften mit unterschiedlichen Geschäftsaktivitäten. Welche Rolle spielt der Pfandbrief in der Refinanzierungsstrategie des Konzerns?

Pfandbriefe spielen in der Refinanzierungsstrategie der KfW keine Rolle, wir refinanzieren die KfW ausschließlich über Senior Unsecured Anleihen. Der Grund ist einfach: Aufgrund der expliziten und direkten Garantie vom Bund erzielen wir günstigere Refinanzierungskosten als Pfandbriefemittenten. Die IPEX besitzt hingegen die Pfandbrieflizenz und setzt Pfandbriefe in der konzerninternen Refinanzierung ein. Die IPEX sichert sich so ein Funding auf AAA-Niveau für deckungsstockfähige Kredite, insbesondere ECA-gedeckte Kredite.

Und was wäre Ihr guter Wunsch für den Pfandbrief?

Im Wandel liegt die eigentliche Kontinuität des Pfandbriefs. Die Harmonisierung des europäischen Pfandbriefmarktes legt die Grundlage dafür, dass der Pfandbrief auch in den kommenden Jahren seine einzigartige Erfolgsgeschichte fortsetzen kann. Wir wünschen dem Pfandbrief, dass er aufgrund seiner besonders hohen Qualität auch zukünftig fester Bestandteil des Kapitalmarkts sein wird.