CRD/CRR, Europäische Regelungen

Die europäische Richtlinie „Capital Requirements Directive (CRD)“ sowie die europäische Verordnung „Capital Requirements Regulation (CRR)“ enthalten die regulatorischen Anforderungen für die Zulassung von Instituten sowie die Mindestanforderungen an die Eigenmittel, Liquidität, Verschuldungsquote (Leverage Ratio) und das Risikomanagement, die ausnahmslos auch für Pfandbriefbanken gelten.

Für in Deutschland tätige Institute sind ergänzende regulatorische Anforderungen im KWG und in den nachgeordneten Verordnungen enthalten. Für Pfandbriefbanken gilt zusätzlich das Pfandbriefgesetz (PfandBG) und die dazugehörigen Verordnungen.

Insbesondere für Immobilienfinanzierungen sowie für gedeckte Schuldverschreibungen wie Pfandbriefe sieht die CRR aufgrund der Sicherheit und Qualität dieser Vermögenswerte diverse Privilegien bei den Kapital- und Liquiditätsanforderungen vor.

Die CRD und CRR wurden im Juni 2019 fundamental überarbeitet und werden nunmehr gemeinhin als CRD V/CRR II bezeichnet. Betroffen sind unter anderem die Regelungsbereiche zur Definition der berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten im Rahmen der Verlustabsorptions- und Rekapitalisierungsfähigkeit, die Meldeanforderungen für das Marktrisiko, das Großkreditregime, die Anforderungen an eine stabile Refinanzierung (Net Stable Funding Ratio, NSFR) und die Verschuldungsquote. Überwiegend sind die neuen Anforderungen ab 27. Juni 2019 ober ab 28. Juni 2021 anzuwenden (siehe auch CRD/CRR, Aktuelle Entwicklungen).

Umsetzung europäischer Regelungen

Die Capital Requirements Directive bedarf als Richtlinie einer nationalen Umsetzung in deutsches Recht (siehe auch CRD/CRR Deutsche Regelungen)

Dagegen entfaltet die Capital Requirements Regulation als Verordnung unmittelbar geltendes Recht und bedarf – bis auf die darin enthaltenen Wahlrechte – keiner nationalen Umsetzung.

Mit der CRD und CRR werden u.a. die im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht vereinbarten Kapitalanforderungen (Säule 1), die Anforderungen an das Risikomanagement (Säule 2) und die Liquiditätsanforderungen in europäisches Recht umgesetzt (siehe auch Baseler Regulierungsrahmen).

Die CRD und CRR werden durch zahlreiche Delegierte Rechtsakte (DA) sowie Technische Durchführungs- & Regulierungsstandards (ITS & RTS) ergänzt. Hinzu kommen diverse Leitlinien und Veröffentlichungen der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) sowie den nationalen Aufsichtsbehörden (BaFin/Deutsche Bundesbank) und der Bankenaufsicht der Europäische Zentralbank (EZB) (siehe auch Aufsichtspraxis).

Wesentliche Elemente der Kapitalanforderungen in der CRR sind:

  • die Eigenmitteldefinition,
  • die Eigenmittelanforderungen beispielsweise für das Kredit- und Marktrisiko,
  • die Begrenzung von Konzentrationsrisiken durch Großkreditobergrenzen oder
  • die Verschuldungsquote (Leverage Ratio, LR).

Liquiditätsanforderungen konkretisieren sich zum Beispiel durch die Liquiditätsdeckungsanforderung (Liquidity Coverage Ratio, LCR) oder die Anforderungen an eine stabile Refinanzierung (NSFR). Zusätzlich zu den Mindestanforderungen setzen die Aufsichtsbehörden ergänzende Kapital- und Liquiditätsanforderungen fest, die sich an der jeweiligen Risikolage der Kreditinstitute orientiert (siehe auch Aufsichtspraxis).

Die CRD enthält unter anderem Anforderungen an die Zulassung von Instituten, das Zinsänderungsrisiko, das Risikomanagement im Allgemeinen, die bankinternen Verfahren zur Ermittlung eines angemessenen Kapital- und Liquiditätsniveaus und Anforderungen an das aufsichtliche Überprüfungsverfahren (Internal Capital Adequacy Assessment Process, ICAAP und Internal Liquidity Adequacy Assessment Process, ILAAP) (siehe auch Baseler Regulierungsrahmen) sowie Regelungen zu den Kapitalpuffern (siehe auch Aufsichtspraxis).

Pfandbriefgeschäft: besondere Regelungen

Regelungen zu gedeckten Schuldverschreibungen
  • Privilegiertes Risikogewicht bei der Ermittlung der Eigenmittelanforderungen nach dem Kreditrisikostandardansatz (KSA) gemäß Art. 129 CRR
  • Privilegierte Verlustquote bei Ausfall (LGD) bei der Ermittlung der Eigenmittelanforderungen nach dem auf internen Ratings basierenden Ansatz (Basis-IRBA) gemäß Art. 161 CRR
  • Für gedeckte Schuldverschreibungen mit besonders guter Bonität (wie Pfandbriefe) im Handelsbuch von Handelsbuchinstituten privilegierte Eigenmittelanforderungen nach dem Standardansatz für das Marktrisiko gemäß Art. 336 CRR und nach dem alternativen Standardansatz gemäß Art. 325w und 325ah CRR
  • Privilegierte Berücksichtigung als liquide Aktiva bei der LCR gemäß Art. 416 CRR in Verbindung mit Delegierten Verordnung zur LCR
  • Privilegierte Faktoren für die erforderliche stabile Refinanzierung zum Zwecke der stabilen Refinanzierungskennziffer (NSFR) gemäß Art. 428t und 428aa CRR (ab 28. Juni 2021)
  • Wahlrecht zur Ausnahme von der Begrenzung durch die Großkreditobergrenze gemäß Art. 493 CRR
Deckungswerte und das Geschäftsmodell von Pfandbriefbanken betreffend
  • Privilegierte Mindestdeckungsanforderungen für leistungsgestörte Immobilienkredite (NPL) gemäß Art. 47c CRR
  • Besondere Meldepflichten zu Verlusten aus Immobilienfinanzierungen gemäß Art. 101 CRR (ab 28. Juni 2021: Art. 430a CRR) in Verbindung mit dem Technischen Durchführungsstandard (ITS) EU/2014/680 Anhänge VI und VII
  • Privilegierte Risikogewichte bei der Ermittlung der Eigenmittelanforderungen nach dem KSA für Sovereign Exposures, wie Zentralstaaten und -banken, regionale und lokale Gebietskörperschaften, öffentliche Stellen, multilaterale Entwicklungsbanken und internationale Organisationen gemäß Art. 114 ff. CRR
  • Privilegierte Risikogewichte bei der Ermittlung der Eigenmittelanforderungen nach dem KSA für Immobilienfinanzierungen gemäß Art. 124 ff. CRR
  • Kein Ansatz eines Mindestwert für die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) für Sovereign Exposures und Interbankenforderungen bei Anwendung des IRBA gemäß Art. 160 CRR
  • Berücksichtigung von Immobilien-, Schiffs- und Flugzeugsicherheiten bei Anwendung des Basis-IRBA gemäß Art. 199 CRR
  • Privilegierte LGD bei der Ermittlung der Eigenmittelanforderungen nach dem Basis-IRBA für Immobilien, Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen sowie „alternatives Risikogewicht für Immobilienfinanzierungen“ gemäß Art. 230 CRR
  • Ausnahme von Sovereign Exposures, denen ein KSA-Risikogewicht von 0% zugewiesen würde, von der Begrenzung durch die Großkreditobergrenze gemäß Art. 400 CRR
  • Ausnahme von Immobilienfinanzierungen von der Begrenzung durch die Großkreditobergrenze gemäß Art. 402 CRR, wenn Immobilienfinanzierungen die maximal mögliche Privilegierung der Risikogewichte im KSA zugewiesen würde
  • Wahlrecht zur Ausnahme von regionalen und lokalen Gebietskörperschaften, denen ein KSA-Risikogewicht von 20% zugewiesen würde, von der Begrenzung durch die Großkreditobergrenze gemäß Art. 493 CRR