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#VielMehrAlsBeton
Eva Kühl
Senior Relationship Manager, Berlin Hyp
Welche gesellschaftlichen Funktionen erfüllen Immobilien, und welche Bedeutung haben sie für das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zusammenleben sowie für die Entwicklung unserer Städte?
Wenn ich über Immobilien spreche, denke ich nicht nur an Wohnungen, Büros oder Einkaufsstraßen. Ich denke auch an die Orte, die kaum jemand bewusst wahrnimmt: Werkstätten, Lager, Serviceflächen, kleinere Produktionsstandorte oder Gewerbehöfe. Das sind keine spektakulären Gebäude. Aber sie sorgen dafür, dass unser Alltag funktioniert.
Dort werden Dinge gelagert, geprüft, repariert, vorbereitet oder weiterverteilt. Dort arbeiten Menschen, die man selten sieht, deren Arbeit aber jeder braucht. Für mich zeigt sich genau darin die gesellschaftliche Bedeutung von Immobilien. Sie sind nicht nur Orte, an denen wir leben oder arbeiten. Sie sind auch die Räume, die im Hintergrund dafür sorgen, dass vieles überhaupt möglich wird.
Was ist für Sie derzeit die größte gesellschaftliche Herausforderung im Zusammenhang mit Immobilien?
Der Elefant im Raum ist das Thema Wohnen mit den vielen ungelösten Problemen. Aber eine ebenso große Herausforderung sehe ich darin, dass wir vieles für selbstverständlich halten. Wir erwarten, dass Waren verfügbar sind, Handwerker kommen, Medikamente geliefert werden, Ersatzteile bereitliegen und Unternehmen in der Nähe bleiben. Gleichzeitig sprechen wir viel zu selten über die Flächen, die dafür gebraucht werden.
Mich beschäftigt dieser Widerspruch. Wir wollen einen verlässlichen Alltag, aber die Orte, die ihn ermöglichen, geraten immer stärker unter Druck. Wenn solche Flächen aus Städten und Regionen verschwinden, merken wir das nicht sofort. Aber irgendwann werden Wege länger, Leistungen teurer und Versorgung anfälliger. Deshalb sollten wir diese unsichtbaren Immobilien ernster nehmen.
Welchen Beitrag können Banken leisten, um die von Ihnen angesprochene Herausforderung zu leisten?
Banken und Finanzierer können helfen, den Wert solcher Orte sichtbar zu machen. Nicht jede wichtige Immobilie hat eine prominente Adresse oder eine beeindruckende Fassade. Manche sind gerade deshalb wichtig, weil sie leise funktionieren und einer Region Stabilität geben.
In meiner Arbeit heißt das: Ich schaue nicht nur auf Zahlen und Sicherheiten. Ich frage auch, was ein Standort leistet. Bleibt dort ein Betrieb in der Region? Entstehen Arbeitsplätze? Wird Versorgung gesichert? Können Dienstleistungen, Reparaturen oder Produktion in erreichbarer Nähe bleiben? Wenn wir solche Fragen stellen, finanzieren wir nicht nur Gebäude. Wir helfen mit, die Räume zu erhalten, die einen funktionierenden Alltag möglich machen.