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#VielMehrAlsBeton
Dr. Christian Federspieler
Head of Real Estate Germany, HVB/UniCredit
Welche gesellschaftlichen Funktionen erfüllen Immobilien, und welche Bedeutung haben sie für das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zusammenleben sowie für die Entwicklung unserer Städte?
Immobilien sind die Infrastruktur unseres täglichen Lebens. Sie entscheiden darüber, wie wir wohnen, arbeiten, uns versorgen und miteinander interagieren. Für uns zeigt sich das jeden Tag in der Finanzierung von Projekten, die ganze Quartiere prägen.
Gerade die Entwicklung lebendiger, gemischt genutzter Räume gewinnt an Bedeutung: Wohnen, Arbeiten, Versorgung und soziale Infrastruktur wachsen zunehmend zusammen. Gewerbeimmobilien verstehen wir dabei nicht nur als Assetklasse, sondern als Hebel für wirtschaftliche und nachhaltige Transformation. Mehrwert entsteht dort, wo Immobilien als Teil eines größeren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ökosystems gedacht werden – wie etwa beim Life Science Center Gräfelfing. Als eines der modernsten Labor- und Bürogebäude seiner Art stärkt es den Innovationsstandort im Umfeld des Biotechnologie-Clusters Martinsried und schafft ideale Voraussetzungen für Forschung, Entwicklung und Vernetzung.
Welchen Beitrag können Banken leisten, um die von Ihnen angesprochene Herausforderung zu meistern?
Banken spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, die Transformation des Immobiliensektors aktiv zu ermöglichen. Denn viele gesellschaftliche Ziele – von bezahlbarem Raum bis zur Dekarbonisierung – sind ohne passende Finanzierungsstrukturen nicht umsetzbar.
In der Praxis heißt das zum Beispiel: Transformationsprojekte strukturieren, Fördermittel integrieren und nachhaltige Finanzierungsansätze umsetzen – wie etwa bei einem ‚Manage to green‘-Projekt, bei dem wir unter Einbindung von KfW-Förderungen die energetische Ertüchtigung älterer Wohnimmobilien (von Energieeffizienzklasse D-G auf A) in Kombination mit der Schaffung neuen Wohnraums durch Aufstockung und Nachverdichtung begleiten. So wird aus Finanzierung ein echter Hebel für Veränderung.
Gibt es Positivbeispiele aus dem Miteinander in Ihrer Bank, die mehr Verständnis und Dialog in der Gesellschaft fördern und so zum Nachahmen anregen?
Gerade in einem komplexen Umfeld wie der Immobilienwirtschaft ist Dialog entscheidend. Wir erleben bei der HypoVereinsbank / UniCredit, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven frühzeitig zusammenzubringen – von Investoren über Projektentwickler bis hin zu Städten und Kommunen.
Ein konkretes Beispiel ist das Nürnberger Projekt „The Q“, bei dem durch frühzeitigen Dialog tragfähige Konzepte entwickelt wurden. Die Revitalisierung der denkmalgeschützten Industrie-Ikone, dem ehemaligen Quelle-Areal, verbindet moderne Architektur mit dem einzigartigen Charme der Nürnberger Industriekultur.